25 mrt

Mücken übertragen Borreliose

Mücken übertragen Borreliose

Die sogenannte Wanderröte ist eines der wenigen klaren Anzeichen für eine Borreliose-Infektion. „Obwohl die Lyme-Borreliose in Europa als die häufigste vektorübertragene Krankheit gilt und schwere Schäden verursachen kann, sind Daten bezüglich ihrer Verbreitung sowie den Ursachen und Folgen nur unzureichend vorhanden”, erklärt Professor Dr. Sven Klimpel von der Goethe Universität Frankfurt.

Berlin Erstmalig sind Borrelien in deutschen Stechmücken nachgewiesen worden. Die drei identifizierten Bakterienarten können beim Menschen die Multisystemerkrankung Lyme-Borreliose auslösen. Offenbar überleben die Krankheitserreger die Umwandlung der Mückenlarve zmuecke_aedes_gelbfieber_CDC__James_Gathany_lbum erwachsenen Tier.

Die sogenannte Wanderröte ist eines der wenigen klaren Anzeichen für eine Borreliose-Infektion. „Obwohl die Lyme-Borreliose in Europa als die häufigste vektorübertragene Krankheit gilt und schwere Schäden verursachen kann, sind Daten bezüglich ihrer Verbreitung sowie den Ursachen und Folgen nur unzureichend vorhanden“, erklärt Professor Dr. Sven Klimpel von der Goethe Universität Frankfurt.

„Dies liegt vor allem daran, dass eine Meldepflicht von Borreliose nur in wenigen Staaten besteht und die Grundlagen der Meldepflichten nicht einheitlich sind.“ Die geschätzten Neuerkrankungen an Lyme-Borreliose schwanken entsprechend stark: In Deutschland bewegen sich die jährlichen Zahlen zwischen 40.000 und 214.000 Personen, die sich mit den Erregern anstecken.

Als allgemein bekannter Überträger des Borreliose-Erregers gilt in Deutschland der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) aus der Familie der Schildzecken. Als sogenannte Reservoirwirte werden Nagetiere und Vögel genutzt. Nachdem auch in weiteren Arthropoden wie Bremsen, Flöhe oder Kriebelmücken vereinzelt Borrelien-Erreger gefunden wurden, hat das Wissenschaftlerteam auch Mücken auf ihr Übertragungspotential untersucht.

„Mücken sind bekannte Überträger zahlreicher Infektionserreger wie beispielsweise Malaria, dem Dengue-Virus oder auch dem aktuell grassierenden Zika-Virus. Wir wollten überprüfen, ob die Insekten theoretisch auch Borreliose-Erreger übertragen können“, so Klimpel.

An 42 Fangstandorten über das gesamte Bundesgebiet verteilt haben die Wissenschaftler im Jahr 2013 von April bis Oktober Stechmücken gefangen – von den insgesamt 3615 gefangenen Mücken wurden 682 Pools gebildet und auf Borrelien getestet, wobei 28 positive Pools identifiziert wurden. Dies bedeutet, dass zehn verschiedene Stechmückenarten aus vier Gattungen an elf Standorten die Keime in sich trugen.

„Wir haben bestimmte Borrelien-spezifische Gene mit molekularbiologischen Methoden nachgewiesen und konnten so die Arten Borrelia afzelii, Borrelia bavariensis und Borrelia garinii identifizieren“, ergänzt der Frankfurter Parasitologe. Alle drei Arten sind humanpathogen und gelten in Deutschland sowie Europa als die bedeutendsten Erreger der Lyme-Borreliose.

In ihrer Studie konnten die Parasitologen zudem erstmalig in wild-gefangenen und unter Laborbedingungen geschlüpften und aufgezogenen Stechmücken Borrelien-DNA nachweisen. „Dass wir die DNA der Erreger auch in den aufgezogenen Mücken gefunden haben, ist erstaunlich und zeigt, dass die Borrelien die Umwandlung der Larve zur Puppe und schließlich zum ausgewachsenen Tier überdauern können“, erläutert Klimpel.

Bei den untersuchten Mücken lagen die Befallshäufigkeiten mit den Keimen zwischen 0,13 und 8,33 Prozent – bei der Rheinschnake (Aedes vexans) zum Beispiel bei 0,3 Prozent, bei der häufigen Stechmückenart Aedes cataphylla bei 11,1 Prozent.

„Es besteht aber kein Grund zur Panik“, beruhigt Klimpel. „Nach unserem derzeitigen Erkenntnisstand sind Stechmücken als Überträger der Lyme-Borreliose auslösenden Erreger nur bedingt geeignet. Wenn überhaupt spielen sie eine eher untergeordnete Rolle.“

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